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Gewaltfreie Elternschaft

 

Küsschen hier, Küsschen da.. Nee 'n Klaps auf'n Po1

 

Noch immer ist es gesellschaftlich total normal lediglich Schläge und Prügel als Gewalt (an Kindern) anzusehen. Aber was ist tatsächlich alles Gewalt in der Erziehung?

 

BGB § 1631 Abs. 2: "Kinder haben das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, Seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig."

 

Is klar ne?! Geschlagen und Geprügelt wird natürlich nicht.

 

Laut WHO ist Gewalt ein Konstrukt, das nur schwer zu definieren ist. Denn es gibt keinen allgemeingültigen gemeinsamen Kontext. Vor nicht all zu langer Zeit, war der Klaps auf den Po noch gesellschaftlich akzeptiert. Und auch heute noch gibt es Familien, in denen das dazu gehört. Aber auch Zwang, Drohungen und Einschüchterung sind Gewalt.

 

Du darfst erst aufstehen, wenn du aufgegessen hast.

 

Wenn du jetzt nicht hörst, war das das letzte Mal. 

 

(Schreiend) Du machst, was ich dir sage!

 

Kennst du solche und ähnliche Sätze? Hast du vielleicht selbst erfahren, wie sich solche Aussagen anfühlen?

 

Hausarrest  Ins Zimmer schicken  Anschreien   Meckern   Angst schüren    Drohen    Bestrafen     Fernsehverbot

 

Kommt dir was davon bekannt vor? Das alles ist Gewalt (und noch so viel mehr). Und viele von uns wenden sie täglich an. Es ist notwendig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass erzieherische Maßnahmen Gewalt sind. Denn solch ein Umgang mit Kindern ist leider immer noch total angesehen und normal. Wir denken, wir müssten unsere Kinder zurecht ziehen, weil sie unfertige, unwissende Pflanzen sind. Aber nein, schon Babys sind kompetente, vollwertige und selbstbestimmte Menschen, nur eben in klein und hilflos. Und nun wollen wir die Hilflosigkeit ausnutzen? Wir können das, da wir natürlich überlegen sind: Wir sind stärker, haben mehr Erfahrung, haben Verantwortung. Aber können wir bitte diese Überlegenheit nicht nutzen, um unsere Kinder zu manipulieren und ihnen zu zeigen, wie sie zu sein haben?! Unsere Kinder müssen nicht werden, sie sind schon. Und zwar gut, genau so wie sie sind. Wieso nehmen wir uns das Recht, zu denken, wir wüssten, wie ein Mensch zu sein hat? Sind wir so gut gelungen?

 

Es ist nicht in Ordnung, dass wir unsere Macht ausnutzen, indem wir Gewalt anwenden. Wir haben die Chance, es besser zu machen und unsere Kindern wenigstens ein bisschen mehr vor Gewalt zu schützen. Wir können versuchen, wahrzunehmen, in welchen Situationen wir gewaltvoll handeln, wir können überlegen, wie wir friedvoller handeln können, wir können unseren Kindern gegenüber eingestehen, dass wir gewaltvoll waren und ihnen zeigen, dass wir wissen, dass das nicht in Ordnung ist. Denn wir müssen unsere Kinder ernst nehmen. Wir tragen Verantwortung für sie, aber sie sind keine Objekte, die wir behandeln können, wie wir wollen. 

 

Es gibt auch Momente, in denen haben wir keine Wahl, sondern müssen Gewalt anwenden, schützende Gewalt. Zum Beispiel, wenn unser Kind auf die Straße rennt und wir es packen und zurückziehen. Wichtig ist, dass wir uns darüber im Klaren sind, dass wir Gewalt anwenden und uns das auch eingestehen. Denn schon allein dadurch ändert sich unsere Haltung.