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Wenn das Kind ein Arschloch wird

Ich bin neulich über einen Post gestolpert, in dem der Verfasser beschreibt, dass ein Kind nach dem es 2 Kugeln Eis bekomme hatte, die Mutter getreten habe, woraufhin es mit zwei weiteren Kugeln belohnt worden wäre. Daraus resultiere dann ein Arschloch. Darunter mehr als 300 Kommentare. Ein Großteil in Richtung "Das hätte es bei mir nicht gegeben", "Das Eis hätte ich gegessen" "Das hätte aber was gesetzt".

 

Keiner sieht das Kind. Keiner. Das ist so traurig.

 

Fehlverhalten? Klaro: Strafe! Und daraus wird dann kein Arschloch? Weil die ganzen Arschlöcher da draußen ja alle von ihrem Mamis verwöhnt wurden und deswegen wahllos Leute treten? Nee! Sicher nicht. Den Arschlöchern da draußen fehlt es an Empathie, nicht an Züchtigung. Die wurden wahrscheinlich nie mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen gesehen. 

 

Hey Kind, du hast mich getreten. Das find ich echt scheiße! Ich will nicht getreten werden! Warum hast du mich getreten? Wolltest du mehr Eis? Oder wolltest du eine andere Sorte? Achso, du wolltest heute Mango und ich habe Vanille bestellt, so wie sonst auch. Ich hab dich überhaupt nicht gefragt. Und jetzt bist du sauer und enttäuscht, oder? Und du wolltest mir zeigen, dass du wütend bist, ne? Lass uns mal überlegen, wie du deine Wut anders zeigen kannst, weil so ist das echt nicht in Ordnung für mich. Hast du ne Idee? Du könntest auch stampfen oder mich schieben. Ok, ich verstehe deine Enttäuschung. Ich könnte jetzt dein Vanilleeis essen und wir holen dir noch Mango, ok? Was hältst du davon?

 

Vielleicht hat die Mutter so ein Gespräch mit ihrem Kind geführt, bevor sie noch mehr Eis gekauft hat. Vielleicht ist die Mutter so mit ihrem Kind in Verbindung gekommen. Hat ihrem Kind ihre persönliche Grenze klar aufgezeigt. Hat sich mit ihrem Kind Handlungsalternativen überlegt. Hat ihrem Kind Empathie, Verständnis und Aufmerksamkeit geschenkt. Vielleicht hat sich ihr Kind gesehen und verstanden gefühlt.

 

Vielleicht hatte ihr Kind aber auch schon einen echt schlechten  und anstrengenden Tag und sie wollte es dem Kind nicht noch schwerer machen. 

 

Vielleicht hatte aber auch sie schon einen echt schweren und kräftezehrenden Tag. Und wollte sich einen Nervenzusammenbruch in aller Öffentlichkeit ersparen.

 

Wenn du diese kräftezehrenden Momente kennst und merkst, dass du es nicht gut schaffst, für dich selbst zu sorgen, ist vielleicht Du bist wertvoll! das Richtige für dich.